Yachtclub Ruhrland Essen e.V.

Aktuelles 2017

High Seas High School - das segelnde Klassen­zimmer -

The ship in the harbour is still and safe but that is not how she is meant to be.

Dies ist wohl eines dieser Lieder, was mir mein ganzes Leben lang im Gedächtnis bleiben wird, da ich es auf meiner sieben­mo­natigen Segelreise nur zu oft gehört habe. Verbracht habe ich diese Zeit auf dem wunder­schönen Traditi­ons­segler Roald Amundsen, welche ich mit 29 weiteren Schülern, sowie 15 Leuten Stammbe­satzung geteilt habe.

So brachen wir am 11.Oktober 2015 am Tyssenkai (Kiel) zu unserem großen Abenteuer auf. Nachdem wir den Nord-Ostsee-Kanal, die Nordsee und die Biscaya mehr oder weniger seekrank überstanden hatten, begaben wir uns nach unserem Landauf­enthalt in Belgien endlich in wärmere Gebiete: Spanien, eine einsame Forscherinsel und letzten Endes Teneriffa. Eines der schönsten Erlebnisse war hier natürlich die Besteigung des 3.700m hohen Teide. Auch wenn wir an unsere körper­lichen Grenzen gestoßen sind, war der Sonnen­aufgang auf dem Gipfel einfach nur atembe­raubend.

Und dann kam sie:

Die große Atlantik­über­querung. Der für mich schönste Törn der Reise. Endlos tiefes, blaues Wasser, Sonnen­schein, ums Schiff herum springende Delphine, Wale, Meeres­leuchten und nicht zu vergessen der gigantische Sternen­himmel. Es ist einfach ein wahnsinniges Gefühl von Freiheit in 35m Höhe auf dem Mast zu stehen, während man über das endlose Meer blickt.

Aber nach gut drei Wochen hatten wir es geschafft, wir erblickten das erste Mal Land. Wir kamen an in einer vollkommen anderen Kultur, in einer anderen Welt. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so offene und herzliche Menschen wie auf der karibischen Insel Dominica erlebt und mit ziemlicher Sicherheit werde ich nie wieder so schöne Inseln wie die San Blas Inseln vor Panama sehen. Weißer Sandstrand, soweit das Auge reicht, türkis blaues Wasser und in der Hand eine frische Kokosnuss.

Aber die für mich wohl prägendste Zeit war der einmonatige Aufenthalt in Costa Rica. Gerade die 11 Tage, welche wir bei Gastfa­milien in einem Flücht­lingsdorf verbracht haben, werden mir immer in Erinnerung bleiben. Wir haben selber miterlebt, was es heißt, hart für seine Familie zu arbeiten und doch mit wenig glücklich zu sein. Einen Satz der uns ein ehemaliger Feldar­beiter auf einer Wanderung sagte, möchte ich auch mit ihnen teilen: „If you don´t pay fot it, someone else has to pay for it.“

Diese Erfahrungen begleiteten uns auch während unserer weiteren Zeit in Costa Rica sowie den Landauf­ent­halten in Mexiko und auf Kuba.

Doch wir steuerten wieder ostwärts und so fanden wir uns nach den Bahamas, den Bermudas, den Azoren (wo wir selbst­ver­ständlich das Peter Cafe Sport besuchten) und einem kurzen Stopp vor England, erneut im altbekannten Belgien wieder. Dies sollte nun also der letzte Stopp vor unserer Heimkehr sein, das letzte Mal gemeinsam die Segel setzten, das letzte Mal die Backschaft übernehmen, das letzte Mal Wache gehen, das letzte Mal Unterricht, das letzte Mal zusammen mit seiner zweiten Familie sein.

Und so ging unsere Reise am 08.Mai 2016, mit einem Lächeln und einer Träne im Auge, in Kiel zu Ende.

Ich hoffe ich konnte ihnen und euch einen guten, wenn auch kurzen, Einblick in meine Zeit bei HSHS geben. Bei fragen könnt ihr euch natürlich gerne an mich wenden.

Allen einen guten Start in die neue Segelsaison!

Eure Saskia